Seekajak

 

Elba-Umrundung 2008

 

27.09.: Enfola - St.Andrea (14)

Zu unserem Vorhaben, Elba mit dem Kajak zu umrunden, wollten wir uns um 14:00 Uhr in Enfola auf Elba treffen. Ich fuhr mit den 4 Ulmer Paddlern Klaus Waigl, Jürgen Kastner, Rainer Cofalka und Dorothea Wiltz schon am Vorabend, so dass wir bereits um 11:00 Uhr am Strand von Enfola eintrafen. Genug Zeit, um das ganze Gepäck, Proviant und Wasser für eine Woche im Boot zu verstauen. Es wehte ein mäßiger Nord-Ost-Wind, mit relativ hohen Wellen. Punkt 14:00 Uhr trafen dann Ralf Gruber und Uwe Hartmann ein, die nur 30 Minuten brauchten, um sich startklar zu machen.

 

Nach einer kurzen Einweisung und Abfrage unserer paddlerischen Fähigkeiten (Eskimorolle, Wildwassererfahrung) und Gesundheit (Herzinfarkt, Schlaganfall, Epilepsie, etc.) ging es endlich los, Richtung Marciana (entgegen den Uhrzeigersinn) quer über die Bucht. Der Wind kam schräg von hinten und trieb uns voran, wobei die Wellen immer höher wurden, je weiter wir nach Osten voran kamen, so dass Dorothea, die neben mir paddelte, hin und wieder im Wellental nicht mehr zu sehen war. Ich setzte mein Hilfssegel, obwohl Ralf mir davon abriet, weil es mich im Ernstfall bei der Eskimorolle behindern könnte. - Schluck, muss ich wirklich die Kenterrolle anwenden ? Im Schwimmbad funktioniert das ja ganz gut, aber auf hoher See bei Wellengang und mit Gepäck ? – Aber das Segel half mir auch Kräfte zu sparen, so konnte ich immer wieder einen kleinen Sprint einlegen, um der einen oder anderen Welle auszuweichen, trotzdem rollte hin und wieder eine über mein Oberdeck. Im geschützten Hafen von Marciana sammelten wir uns, dann ging es weiter, dicht an der Steilküste entlang, wo die Wellen gegen die Felswände knallten, zurückkamen und eine richtige Kabbelsee bildeten. Ich hielt Ausschau nach Dorothea, die soweit abgefallen war, dass ich sie bei dem Wellengang nicht mehr sehen konnte, nur ihr weißes Paddel war hin und wieder zu sehen. Ich wusste ja noch nicht, dass sie eine Wildwasserratte war, sozusagen unsinkbar. Also wartete ich auf sie, doch Uwe war gleich zur Stelle um zu sehen, was los war. Gemeinsam holten wir den wartenden Rest der Gruppe schnell wieder ein. Ralf steuerte direkt auf die Felsen zu, durch eine Passage in eine kleine geschützte Bucht, wo wir am Strand zwischen Fischerbooten die Nacht verbringen wollten.

 

Als alle Zelte standen, kam noch ein netter Italiener, und meinte „der Strand gehört mir“, und eigentlich gehöre es sich doch, dass man vorher frage, bevor man sich im „Vorgarten“ anderer häuslich einrichtet. Mein Blick schweifte über das stürmische Meer in der einbrechenden Dunkelheit, und ich dachte nur, hier kommen wir nicht mehr weg. Aber wir durften bleiben, nur Sauberkeit erbat sich der Besitzer. Nach dem wir uns Spaghetti Bolognese zum Abendessen einverleibt hatten, machten wir noch eine kleine Vorstellungsrunde, wo jeder seine Erwartungen und seinen sportlichen Hintergrund präsentieren sollte. Am besten gefiel mir die Geschichte von Jürgen, der vor 7 Jahren eine Paddeltour auf Sardinien gebucht hatte, im Sturm bei Windstärke 8 im Zweier kenterte, und wieder einstieg, um den nächsten Strand in der geschützten Bucht zu erreichen. Danach beschloss er, erst einmal einen Kenterkurs zu belegen und kam so zum Wildwasserpaddeln. Die Partnerin war nicht so motiviert, sie wird sich wahrscheinlich nie wieder in ein Kajak setzen.

 

Zum Schluss kam ich dran, „also ich bin der Ralf vom KC-Marbach, paddle seit 25 Jahren, angefangen mit Wildwasser und seit ich vor 8 Jahren zu den Marbachern gestoßen bin, bin ich hauptsächlich auf Wanderflüssen unterwegs. Um mich fit zu halten, spiele ich nebenbei noch Unterwasser-Rugby beim Tauchclub Stuttgart. Ich hoffe - wie alle anderen auch - dass uns die Elba-Umrundung gelingt, und dass ich nebenbei auch noch einen Fisch für uns alle aus dem Wasser ziehe.“

 

28.09.: St.Andrea – Spiaggia Palombaia (23)

Pünktlich um 10:00 Uhr waren wir alle auf dem Wasser. Der Wind hatte nachgelassen, doch wir hatten noch ordentliche Wellen, die beim Fotografieren ganz neue Perspektiven vom Wellenberg aus ermöglichten. Die Sonne strahlte und das Wasser glitzerte, und dazu noch diese Küstenlandschaft – einfach traumhaft. Der Wind frischte auf, und kam immer mehr von hinten, je weiter wir Richtung Süden um die Insel bogen, dabei wurden die Wellen kleiner, weil wir immer weiter auf die geschützte Seite kamen. Am Strand von Ogliera machten wir erst mal Mittagspause. Ralf gab uns den Tipp, mal zu der vorgelagerten Insel zu schnorcheln, zu einem Schiffswrack. Ich packte gleich Flossen, Schnorchel und Maske, nur meine Badehose konnte ich nicht finden – egal, geht auch ohne. Ich schnorchelte hinaus und fand bald darauf die ersten Wrackteile, kurze Zeit Später das ganze Wrack: ein alter Frachter, etwa  80 m lang,  auf 10 m Tiefe,  sehr  beein-

 

 

 

 

 

 

 

 

druckend. Peinlicherweise war ich doch nicht der einzige, ein Flaschentaucher und mehrere mit Harpunen bewaffnete Unterwasser-Jäger kreuzten meinen Weg. Größere Fische habe ich allerdings nicht gesehen. Nach einer Stunde saßen wir alle wieder gestärkt in unseren Seekajaks, und es ging weiter, entlang der beeindruckenden Steilküste, wo wir einige Höhlen mit dem Kajak besichtigen konnten. Vor einer großen Felswand die steil ins Meer stürzte, rief uns Ralf zusammen: „So, jetzt machen wir eine Kenterübung“. Ich fasste es zunächst als einen schlechten Scherz auf, doch er meinte es ernst. Wie sollte ich die Kenterrolle mit meinem ganzen Gerödel wie Hilfssegel und Angel hinbekommen? Einer nach dem anderen führte die Kenterrolle vor, Rainer stieg aus und Ralf zeigte uns, wie man einen Schwimmer zurück in´s Kajak bringt. Obwohl Dorothea zuvor schon perfekt eskimotiert hatte, wurde Sie auserwählt zu schwimmen, damit Ralf uns zeigen konnte wie man auch einen völlig erschöpften Schwimmer beim Wiedereinstieg unterstützen kann. Dann kam ich dran - Herzklopfen – „egal, da muss ich jetzt durch“. Ich ließ mich ins Wasser fallen, zog das Paddel durch und drehte wieder auf. War gar nicht so schlimm, und zugleich stellte sich Begeisterung ein. Einige hundert Meter weiter kam bereits der Strand von Palombaia in Sicht, wo wir unser Biwak einrichteten, nachdem alle Badegäste verschwunden waren.

 

29.09.: Spiaggia Palombaia - Spiaggia Remaiolo (32)

Strahlender Sonnenschein, ruhiges Meer, eine leichte Brise: Ideales Wetter für eine etwas längere Etappe. Inzwischen wird das Einpacken zur Routine, jeder Gegenstand hat seinen festen Platz im Kajak gefunden. Wir genießen das Wetter, paddeln ganz dicht an den Felsen entlang und fotografieren wie wild. Die Felsküste ändert sich ständig in Farben und Formen, und bringt uns immer wieder neue Highlights, wie Höhlen, kleine Inseln und traumhafte Strände. Zur Mittagszeit kamen wir am Strand von Laconella vorbei, wo wir unsere Pause machten. Das Meer lud ein zum Schnorcheln, das Wasser war noch schön warm und sehr klar. Weiter ging es in Richtung Osten, immer schön dicht am Ufer entlang, jede Bucht wurde ausgefahren, und nachdem wir die Punta Calamita umrundet hatten, war unser Ziel schon in Sicht: der Strand von Remaiolo, der sich wieder als ein weiterer Traumstand herausstellte, wo wir es uns in Liegestühlen am Lagerfeuer gemütlich machten. Es wurde schnell dunkel, und ein grandioser Sternenhimmel wölbte sich über uns.

 

30.09.: Spiaggia Remaiolo – Rio Marina - Isola Palmajola - Spiaggia Dorothea (32)

Heute bin ich schon eine Stunde vor der geplanten Abfahrtszeit auf dem Wasser, denn ich will versuchen, noch einen Fisch draußen an der Insel zu angeln. Doch an der Insel ist es zu stürmisch zum Angeln, nach einer halben Stunde bin ich schon zurück, und überrascht, dass die anderen auch schon soweit sind. Umso besser, denn bei dem starken Süd-Ostwind haben wir sicherlich einen schweren Paddeltag vor uns. Im Schutz der Küste tasten wir uns vor bis zur Punta di Vallemorta, dann kommt der Wind direkt von vorn mit hohen Wellen. Ralf dirigiert uns weit nach draußen, weg von den steilen Felsen, die die Wellen noch zusätzlich zurückwerfen. Bald ist die südlichste Spitze Elbas umrundet, und ich genieße das Spiel mit den Wellen. Kurze Zeit später steuert Ralf uns trotz starker Brandung mit hoch aufspritzender Gischt direkt auf die Steilküste zu. Wo will er denn jetzt schon wieder hin, wir sind doch so schön weit draußen ? Doch dann verstehe ich sein Vorhaben, er will einen kleinen durch eine Felsrippe geschützten Strand anlaufen, der vom Meer aus nicht zu sehen ist. Einfach genial. Ist zwar noch etwas früh, aber die Pause ist allen willkommen, die Umrundung der Südspitze hat doch einigen recht viel Kraft gekostet.

 

Ralf klettert gleich die Felsen hinauf, um den Wetterbericht mit seinem Handy abzufragen, - alles noch im grünen Bereich. Weiter geht es Richtung Porto Azzurro, Wind und Wellen kommen nun wieder von hinten, und Ralf gibt uns einige Tips, wie man am besten auf den Wellen reitet. Nach einem kurzweiligen Ritt landen wir am Hafen von Porto Azzuro, wo wir unsere Weinvorräte auffüllen, Akkus aufladen und ein wenig Zivilisation genießen können. Ein weiterer Stopp folgt in Rio Marina, von wo aus wir schon die Insel Palmajola sehen können. Dort fragt Ralf uns ob wir bereit wären, einen kleinen Umweg um die Insel zu machen. Die Insel liegt etwa 4km vor der Küste. Dorothea ist gleich dabei, Rainer unsicher, die Aussicht, ohne Umweg etwas früher anzukommen, ist ja auch sehr verlockend. Dennoch peilen wir gleich nach der Hafenausfahrt den kleinen Leuchtturm auf der Insel an, die direkt vor uns liegt. Doch die Insel will nicht näher kommen, obwohl wir durch den schrägen Rückenwind ganz schön schnell unterwegs sind. Endlich angekommen, sammeln wir uns auf der geschützten Seite der Insel zu einer kleinen Pause, bevor es gegen Wind und Wellen zurück Richtung Capo Pero zum schwarzen Spiaggia Dorothea geht. Dort übernahmen Klaus und Dorothea das Kochen und waren mit Grießklößchensuppe und Gulasch mit Kartoffelbrei schon fertig, bevor ich mein Zelt aufgebaut hatte. Auf der anderen Seite konnten wir die Lichter von Piombino sehen, und der Leuchturm von Palmojola blinkte uns freundlich zu. Am Lagerfeuer probierten wir dann noch den neu erworbenen elbanischen Rotwein und Ralf lobte die hervorragende Leistung von Dorothea, die als erste Frau bei einer Elba-Umrundung dabei ist, mit Oberarmen so groß wie Oberschenkel eines Spatzes. Als ich später mein Zelt suchte, glitzerte der Strand im Schein meiner Stirnlampe, wie ein funkelnder Sternenhimmel. Nein, ich hatte nicht zuviel Rotwein, es war der schwarze Sand, der das Licht reflektierte, wie Schneekristalle in der Sonne.

 

01.10.: Spiaggia Dorothea - Portoferraio - Spiaggia Sottobomba (25)

Ich füllte mir gleich eine Tüte von dem schwarzen Glitzersand ab, als Andenken. Ralf hörte den Wetterbericht ab, der nichts Gutes für uns vorhersagte. Windstärke 8 und hohe Wellen - allerdings erst zum Freitag. Doch wenn der Wind früher losginge, müssten wir abbrechen. Wir brachen frühzeitig auf, um möglichst weit in Richtung Ziel zu kommen. Draußen rauschten bereits die Schaumkronen aus Süd-Ost vorbei, bis zum Capo Vita müssten wir wieder einmal Rückenwind haben. Die erste Pause legten wir erst zu Mittag an der Spiaggia Mangani e inferno ein, in einer schönen Bucht mitten in dieser wildromantischen Steilküste, mit farbigen Felsen von dunkelrot bis weiß. Gerade noch ein bisschen Zeit, um durch die Bucht zu schnorcheln und die abwechslungsreiche Unterwasserwelt mit Spalten, Höhlen, Sandflächen und Neptungraswiesen zu bewundern.

 

Die Pause hätte für mich noch länger sein können, aber wir haben ja ein Ziel, die Halbinsel Enfola - die bereits in Sichtweite ist - vor dem Sturm zu erreichen. Schnell noch ein paar Müsliriegel und weiter geht’s Richtung Portoferraio, der Größten Stadt der Insel mit einem regen Fährverkehr. Die Querung der Bucht sollte nur von erfahrenen, disziplinierten und schnellen Gruppen angegangen werden, da man den Fähren nicht zu nahe kommen sollte. Wir paddeln dicht am Ufer die ganze Bucht aus bis zum Fährhafen, wo wir uns sammeln, bevor wir als geschlossene Gruppe das Hafenbecken queren, direkt an den riesigen Schiffen vorbei. Den malerischen alten Hafen lassen wir links liegen, passieren das Capo Bianco und beenden unsere Fahrt am weißen Strand von Sottobomba.

 

02.10.: Spiaggia Sottobomba – Enfola (7) – Monte Capane

Die Dünung hat zugenommen, in der Nacht haben wir alle noch mal unsere Kajaks weit hochgezogen. Ob die Wellen schon die ersten Vorboten vom bevorstehenden Sturm sind ? Jedenfalls ist es windstill, noch. Schwermütig packe ich meine Sachen in mein Kajak. Eigentlich schade, dass wir schon fast da sind. Die Halbinsel Enfola liegt direkt vor uns. Gemütlich paddeln wir entlang einer beeindruckenden Steilküste, und es gibt einige Höhlen und eine Durchfahrt zu besichtigen. Wir umrunden das Capo Enfola und kommen gegen Mittag an dem Strand an, wo wir vor 6 Tagen losgepaddelt sind. Wir haben es geschafft.

 

Nachdem Gepäck und Boote verstaut sind, geht es gleich weiter, die Passstraße hinauf Richtung Monte Capanne. Wir wollen noch den höchsten Gipfel der Insel besteigen. Von oben hat man eine herrliche Aussicht über die ganze Insel, aber der Weg dort hin über den Klettersteig ist auch lohnenswert. Am nächsten Morgen verabschiedet sich Ralf und Uwe von uns, wir bleiben noch ein paar Tage und lassen den Urlaub gemütlich ausklingen. Zum Abendessen kochen wir zusammen Paella mit Venusmuscheln, Tintenfisch und Riesengarnelen und am Samstag lassen wir uns einfach noch mal im Restaurant am Meer verwöhnen, mit frischen Fischspezialitäten. Dabei fachsimpeln wir über möglich Ziele, die wir in unserem nächsten Urlaub mit dem Seekajak ansteuern wollen.

 

Text: Ralf Rein

Bilder: Ralf Rein, Ralf Gruber

 

 

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