Kanu-Wandern

 

BKV-Verbandsfahrt auf Hochrhein und Reuß

 

„Sag’ mal, wo sind wir jetzt, sind wir jetzt in der Schweiz oder in Deutschland?“ Diese etwas seltsame Frage war unter den Teilnehmern der Verbandsfahrt vom 19. bis 20.09.09 auf Hochrhein und Reuß mehr als einmal zu hören. Kein Wunder, denn der verwirrende Grenzverlauf zwischen der Schweiz und Deutschland im sogenannten Zollausschlussgebiet um Jestetten und Lottstetten kann Ortsunkundige in der Tat ganz gehörig durcheinander bringen. Wer z.B. auf der Fahrt zwischen Campingplatz Kadelburg und Einsetzstelle Balm sage und schreibe vier - wenn auch teilweise unbesetzte - Zollstellen passiert, darf wohl zu Recht schon mal Orientierungshilfe in Anspruch nehmen. Es war schön zu sehen, wie Paddler sich nebenbei auch über solch trockene Dinge so herzlich amüsieren konnten. Aber nun zur Hauptsache; wir hatten uns ja zum Boot fahren hier getroffen. Ab Freitag füllten sich langsam die für uns reservierten Plätze auf dem Campingplatz Kadelburg. Sieben ganz eifrige Paddler waren schon am Anreisetag unterwegs, um Teilstrecken der für Samstag geplanten Tour zu erkunden. Ihre Erkenntnisse, insbesondere um die beschädigte Schleuse beim Kraftwerk Eglisau, waren bei der Fahrtenbesprechung am nächsten Morgen nützlich. Der BKV-Wanderwart Klaus freute sich sichtlich, zu dieser letzten Verbandsfahrt des Jahres wieder mehr als dreißig Paddler begrüßen zu können, darunter auch namentlich den Präsidenten Hajo mit Gattin Elke und unter anderem eine weit angereiste Gruppe aus Wertheim am Main. Am Samstag staunten Passanten an der Wegstrecke zwischen Kadelburg und Balm nicht schlecht über die sehenswerte Fahrzeugschlange mit fast dreißig huckepack transportierten Booten. Der Kolonnenführer hatte offenbar keine Probleme, die romantisch versteckt gelegene Einsetzstelle in Balm zu finden. Ein auf dem letzten Kilometer vor dem Ziel zu Fuß(!) voraus eilender Paddler-Lotse  sorgte  auf  der

 

 

 

schmalen, unübersichtlichen Steilstrecke erfolgreich für freie Kolonnenfahrt. Auf der langen Kiesbank das gewohnte Bild: ein Gewusel an Menschen, Booten, Zubehör - und Schwupp, plötzlich waren sie auf dem rasch fließenden Rhein alle weg. Die einstmals schöne Liegewiese im Strandbad von Eglisau war infolge von Bauarbeiten kaum wieder zu erkennen. Für unsere Mittagsrast wurden deshalb die aufgeschichteten Balkenstapel als willkommene Sitzgelegenheit rege genutzt. Am Kraftwerkswehr von Eglisau fiel die dort geplante gemeinsame Schleusung leider ins Wasser. Das Schleusentor ist seit März beschädigt, die Schleuse b.a.w. unbenutzbar. Die Turbinen sind außer Betrieb, alles Wasser stürzt über drei Überläufe 17 Meter ab. Paddler müssen über einen langen, schrägen Steg umtragen. Bei der Vortour im Sommer - bei Hochwasser - hatte die Fahrtenleiterin am Ende dieses Stegs erhebliche Turbulenzen beobachtet und ihre Bedenken dem Schleusenwärter vorgetragen. Jetzt erinnerte sie ihn an seine damalige Zusage, den direkt neben der Schleusenkammer liegenden Überlauf eigens für den BKV höher zu fahren. So geschah es auch. Die Boote konnten am Ende des Stegs wieder gefahrlos einsetzen. Dass Paddler sich nicht scheuen, wenn es darauf ankommt bis an die Knie in den Schlamm zu treten, haben mehrere Unentwegte beim Umtragen am Kraftwerk Rekingen bewiesen. Vielleicht hat ihnen auch die Aussicht auf die schon fast in Sichtweite winkenden Duschekabinen des Tageszieles den Entschluss leichter gemacht. Die anderen haben stattdessen auf groben Felsen balancierend ihre Boote zu Wasser gebracht. Was war besser? Schließlich haben diese wie jene die Weiterfahrt glücklich geschafft.

 

Am Sonntag fuhr eine stattliche, durch Neuzugänge noch verlängerte Fahrzeugkolonne über Birmenstorf, wo leere Autos abgestellt wurden, zur Einsetzstelle an der Reuß in Bremgarten. Das war ein schönes Bild – über vierzig Paddler in den bunten Booten auf der breiten Kiesbank beim Waffenplatz. Viele Menschen schauten interessiert zu, darunter auch mehrere Gruppen von Bogenschützen, die gleich nebenan für die Schweizer Meisterschaft trainierten. Die Reuß führte wenig Wasser. Kenner des Gewässers wissen, dass die Befahrung dadurch nicht einfacher, sondern eher anspruchsvoller wird. So war es auch. Doch alles ging gut, eine kleine Schwimmeinlage inklusive. Zur Mittagsrast in Mellingen setzten alle beim neu geschaffenen Minihafen am linken Ufer aus. Die Sitzgelegenheiten vor dem Altenheim waren schließlich voll belegt. Die Stimmung war gut, der Rahmen passte, das Wetter konnte nicht besser sein – was Wunder, dass sich die Pause lange dahinzog. Am Ende in Birmenstorf das große Abschiednehmen derer, die ihren Platz auf dem Campingplatz bereits geräumt hatten und deshalb nicht mehr nach Kadelburg zurückfahren mussten. Das Resümee: Eine nach Meinung des Berichtertstatters rundum gelungene Veranstaltung, begünstigt von idealem Wetter. Nach den Anforderungen am Samstag auf dem Hochrhein versöhnte am Sonntag das Schmankerl auf der Reuß. Das schöne Gefühl, mit Freunden ein paar unbeschwerte Tage erlebt zu haben, ließ manchen Teilnehmer vor Ort laut träumen: Wir treffen uns bald wieder mal auf Hochrhein und Reuß.

 

Frieder Kromer

 

 

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