Kanu-Freizeit

 

3. BKV-Verbandsfahrt 2010 an den Mittelrhein

 

Auf der kleinen Fähre nach Kaub bekamen wir gleich einen lebhaften Eindruck von dem Wasserschub der Regenfälle der vergangenen Woche. St. Goarshausen war auf der Straße bald erreicht und nach der schmalen Einfahrt der überraschend weite Campingplatz Loreleystadt. Maßstabsgerecht wurden wir von der Camping-Wärterin eingewiesen und auf das Murren hin mit einem Schnäpschen am Abend wieder etwas besänftigt. Dazu trugen aber auch der Sonnenschein und die herrliche Aussicht über den Fluss auf den Bergrücken mit der Burgruine Rheinfels bei, der umfangreichsten Ruine im Mittelrheingebiet. Heftig flatterten oben die Fahnen auf der malerischen Anlage im Wind bei Sonnenuntergang, während wir unten gegenüber bis in die Nacht gut geschützt lagerten.

Pünktlich um 9.00 Uhr anderntags stieß Klaus ins Horn und nach der Fahrtenbesprechung begannen wir mit dem Versetzen der Rückholfahrzeuge nach Braubach.

Wie angenehm war das Einsetzen der Boote direkt an dem Kiesstrand unseres Platzes. Mit der guten Strömung ging es rasch flussabwärts, links waldige, rechts eher felsige Höhenzüge vorbei an den Burgen der "Feindlichen Brüder" Sterrenberg und Liebenstein vor dem Ort Kamp-Bornhofen. Links bei Boppard vor dem lokalen Ruderverein gab es Mittagspause. Vorbei ging es danach an den bekannten, ausgedehnten Weinlagen linker Hand bis rechts die Marksburg auftauchte. Imposant und immer höher werdend erschien sie über uns, die einzige nie zerstörte Höhenburg am Mittelrhein. Mit ihrem weißen Anstrich zog sie schon von weitem unser aller Aufmerksamkeit an. Gleichzeitig hatten wir damit aber auch den Endpunkt unserer Samstagsfahrt am rechten Ufer in dem Ort Braubach erreicht.

Nach Verladen ging es zurück nach St. Goarshausen, wo ein Teil der Bootsbesatzungen ausstieg, während der Rest unsere Boote bereits zum Startpunkt des Folgetages nach Geisenheim fahren wollte. Viele Baustellen mit Sperrungen brachten es mit sich, dass wir erst am späten Nachmittag dort eintrafen. Klaus hatte schon vorabgeklärt, dass wir nur gegen geringes Entgelt und doch im Kontrollbereich des Campingwarts alle Boote parken konnten. Nach der Tageshitze dann eine willkommene Erfrischung unter dem Sonnendach des Platzrestaurants mit weitem Blick über den dort breiten Rhein bis nach Ingelheim.

Abends erst mal frisch gemacht, vor unseren Zelten gegessen oder in dem nahe gelegenen Rheingold, wo es für Hajo den gesuchten Platz auf der Terrasse mit Frischluft und Schatten gab. Den Wein zum Nachtisch und gemütlichen Ausklang bis tief in die Nacht gab es dann zwischen unseren Wohnwagen - man war wieder mal mit sich und den Paddelfreunden im einen. Geschuldet sicher auch Erwins Hochprozenter; im Nu waren 1 l verdampft.

Der Sonntag brachte ein absolutes Novum; mit der DB waren wir - fast - noch nie zum Paddeln gefahren. Klaus hatte sich schlau gemacht, einige wie die Mannen um Bruno schon Gruppenkarten für die Fahrt nach Geisenheim besorgt und so ging es um 10.30 Uhr vom Bahnsteig St. Goarshausen los. In Geisenheim ließ sich Gerhard mit frisch operiertem Knie wenigstens mit Taxi zum Bootslager/Campingplatz bringen. Alle Boote wurden heil wieder vorgefunden und im Schutz von Buhnen an dem hier besonders breiten Fluss - konnten alle ganz gemütlich einsteigen. Langsam näherte sich Rüdesheim, Germania winkte von weitem von dem Niederwalddenkmal und wir passierten unterhalb der immer noch eindrucksvollen Ruine Ehrenfels steil aufragende Rebenhänge. In guten alten Zeiten gab es hier kein Entrinnen von dem Zoll; den Rest des Eintreibens besorgte die Besatzung des unten liegenden Mäuseturms. Immer schmäler wurde der Fluss und nahm bei Aßmannshausen so richtig Fahrt auf, wo der über seinem neuen Zweier sichtlich zufriedene Paul die Nachhut bildete. Die Strömung war so rasch, dass man mit dem Aufnehmen der Bilder und Eindrücke im doppelten Sinn kaum nachkam. An uns bergab vorbei der Raddampfer Goethe, die schönen Burgen Rheinstein und Heimburg zur Linken, wo wir bald Pause machten.

Mit frischen Kräften und sobald sich eine lange Schiffslücke bildete, ging es dann wieder auf die rechte Seite und die hoch über Kaub gelegene Burg Gutenfels bildete fortan unsere Orientierung. Malerisch darunter die Insel Pfalz mit ihrer berühmten Zollfeste. Auf so vielen Bildern schon gesehen und dennoch immer wieder ein Höhepunkt, wenn man daran vorbeifährt. Nach Oberwesel zur Linken folgte bald die Loreleystrecke. Allein mit unseren ca. 30 Booten auf dem Wasser konnten wir bequem ganz rechts bleiben und erreichten so bald unseren Campingplatz in St. Goarshausen. Und der Grund war der Fußballklassiker! Mit dem 4:1 war der Abend gesichert, zumal wir wegen dem Radtag und der totalen Autosperre auch erst nach 19.00 Uhr wieder auf die Straßen durften. Aus der Not eine Tugend gemacht, unsere Nachbarin braute einen vorzüglichen Espresso und statt der üblichen Aufbruchseile entdeckten wir plötzlich alle viel Zeit und Gemütlichkeit. Die Sonne auf den Gesichtern und im Gemüt wirkte noch lange nach; danke allen für so einen gelungenen Tag.

 

Gerhard Hamprecht

11.07.2010





 

 

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