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Seminar für Vereinsvorsitzende

 

Unser Präsident Hajo Popken hatte uns, wie die Jahre zuvor, am 17.10.2009 zum Seminar nach Sasbach geladen. So saßen denn 51 erwartungsfrohe Kanutinnen und Kanuten aus 30 Vereinen im großen Saal des „Ochsen“, um sich von Ulrich Clausing, dem Leiter der Abteilung Freizeit-und Kanuwandersport beim DKV, über den Europäischen Paddelpass (EPP) informieren zu lassen.

 

Zuerst wurden der Referent des Tages, Ulrich Clausing, dann unser Ehrenpräsident Heinz Herbel, Manfred Schweizer vom Bodensee-Kanuring und Rudi Littau begrüßt und Hajo konnte uns noch die erfreuliche Kunde überbringen, dass sich in der Person von Norbert Meyer ein Referent für Gewässerbau gefunden habe. Norbert ist Einzelpaddler im BKV.

 

Zu den Ausführungen von U. Clausing, die er mit einem Beamer unterstützte, ist anzumerken, dass die Originalbroschüre zum EPP 60 DIN A4 Seiten enthält und so nur das Wichtigste wiedergegeben werden konnte. Vor allem, da immer wieder Zwischenfragen gestellt wurden. An den Anfang seines Vortrages stellte unser Referent ein besonderes Zitat. Lernen ist wie paddeln gegen den Strom hört man damit auf, treibt man zurück. Um Bedenken zu zerstreuen, wurde darauf hingewiesen, dass der EPP kein Führerschein ist und auch zukünftig unter Beachtung der geltenden Regelungen des wasserrechtlichen Gemeingebrauchs jedermann mit einem Paddelboot auf den Gewässern Deutschlands fahren darf. Es gibt nicht nur einen EPP, sondern hier wird differenziert.

 

Es gibt die Basisstufe Weißes Paddel Diesen EPP erhalten Personen, die das erste Mal Kanusport betrieben haben. Es handelt sich um eine optionale Qualifikation. Es folgt die Stufe 1 Gelbes Paddel Das ist der Nachweis grundlegender Fähigkeiten und Kenntnisse in Bootsbeherrschung, Sicherheitsfragen und naturverträglichem Verhalten im Kanusport. Grundkenntnisse für Wanderfahrten auf Zahmwasser werden erlernt. Dann gibt es die Stufe 2 Grünes Paddel Für Personen, die die Grundkenntnisse des Kanufahrens auf Zahmwasser bereits erlernt haben und sie besser gerüstet an Wanderfahrten aus dem DKV Sportprogramm teilnehmen können. Der Besitz des EPP Stufe 1 ist Voraussetzung Es folgt Stufe 3 Blaues Paddel Diesen EPP erhalten Personen, die ihre Kenntnisse auf Zahmwasser soweit vertieft haben, dass sie an mäßig schwierigen Fahrten auf Wildwasser  oder  an  der  Küste   teilnehmen

 

 

 

 

können. Der Besitz der EPP-Stufe 2 ist Voraussetzung. Für den Erwerb der EPP-Stufe 3 durch DKV-Mitglieder gilt eine Sonderregelung, dass diese nicht den EPP-Stufe 2 nachweisen müssen, wenn sie seit mindestens fünf Jahren Mitglied in einem DKV-Verein sind und einen DKV-Öko- und Sicherheitskurs besucht haben. Die Stufe 4 Rotes Paddel Die Stufe 4 des EPP erhalten Personen, welche die Grundkenntnisse des Kanufahrens auf Wildwasser bzw. an der Küste beherrschen und ihre Kenntnisse vertieft haben. Der Besitz der EPP-Stufe 3 ist Voraussetzung. Auch hier gibt es für DKV-Mitglieder eine Sonderregelung, dass diese nicht den EPP-Stufe 3 nachweisen müssen, wenn sie seit mindestens 5 Jahren Mitglied in einem DKV-Kanu-Verein sind und auch die vorgenannten Kurse besucht haben. Die Stufe 5 Schwarzes Paddel. Die Stufe 5 des EPP erhalten erfahrene Kanufahrer, die in der Lage sind, schwierige Wildwasser oder Küstenstrecken sicher zu befahren. Der Besitz der 4. Stufe des EPP- jeweils bezogen auf Wildwasser oder Küste- ist Voraussetzung. Der EPP wird in Form einer Urkunde und eines Ausweises vergeben. Auch langjährige und erfahrene DKV-Mitglieder, die ohne vorhergehende Paddelpässe den EPP 4 erwerben wollen, müssen an einer Prüfungsfahrt oder einem entsprechenden Kanukurs teilnehmen. Wer es genau wissen will, findet alles im Internet unter www.kanu.de > Freizeitsport > Kanuverein 2010 > Europäischer Paddel-Pass.

 

Irgendwie drängt sich da ein Vergleich mit den Gürtelfarben im Judo auf. Auch hier stellt der schwarze Gürtel die höchste Qualifikationsstufe dar. Mit rauchenden Köpfen begaben wir uns an den Mittagstisch. Das Essen wurde uns vom BKV spendiert, das hatten wir uns jetzt auch verdient. Nach dem Essen wurden Themen angesprochen, die auch für alle Paddler von Interesse waren. So soll die DKV-Erlebniswoche vom 1. bis 9. Mai ablaufen und ins DKV Sportprogramm aufgenommen werden. Über Befahrensmöglichkeiten am unteren Neckar gibst es Irritationen. Verfügte Befahrensverbote sind rechtlich offensichtlich nicht abgesichert. Das Regierungspräsidium will den BKV über den Ausgang der Angelegenheit informieren. Wo Berufsschifffahrt stattfindet kann das Paddeln wohl nicht verboten werden. Zum Ideenwettbewerb des DKV gingen vom BKV keine Zusendungen ein. Hier besteht Nachholbedarf. Die Genehmigungspraxis für Gruppenwanderfahrten auf dem Rhein, die ab 2010 gelten soll, wird selbst von der Wasserschutzpolizei als realitätsfern (auf gut deutsch unsinnig) eingestuft. Welchen Sinn die Meldepflicht ab 10 Booten ergibt, wissen auch nur die Behörden. (Ab 100 Booten könnte man ja noch ein gewisses Verständnis aufbringen.) Aber es kommt noch besser. Wenn die Veranstaltung Wettkampf-Charakter hat, wird sie ab 10 Booten genehmigungspflichtig. Das kostet auch noch Geld. Von 35,- € war die Rede.

 

Die EnBW hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben für ein Stauwehr auf der mittleren Murg (unterhalb von Kirschbaumwasen.) Die schönste Wildwasserschlucht Deutschlands (wird von Experten sogar noch höher bewertet als die Loisach) soll, wenn dieser Stausee Wirklichkeit wird, für den Profit eines Energieunternehmens vernichtet werden. Diese Leute werden nie begreifen, dass man Geld nicht essen kann. Hier müssen wir wachsam bleiben. Über bauliche Maßnahmen in Rappenwört im Zusammenhang mit dem Bau des Retentionsraumes bestehen erhebliche unterschiedliche Auffassungen zwischen Kanuten und der Stadt Karlsruhe. Dies nicht zuletzt wohl deshalb, weil bei einem ähnlichen, allerdings viel unsinniger konzipierten Einlaßbauwerk in Mannheim, ein Hund ertrunken war. Das Herrchen zog vor Gericht und bekam 800,- € Schadenersatz zugesprochen. Es hätte sicherlich genügt, Herr und Hund den Zugang zu dieser schmalen Halbinsel zu versperren und den Kanuten nicht an anderer Stelle den Weg zu ihren Bootshäusern zu versperren.

 

Zum Schluss teilte uns Hajo noch mit, dass er das Amt als Präsident des BKV schon 11 Jahre innehabe und er einen Nachfolger suche. Er habe bereits mit einigen Kameraden geredet, aber keiner war bisher bereit, sein Erbe anzutreten. In einer Ecke des Saales lagen auf Tischen T-Shirts in allen Größen zum Verkauf. Es waren die herrlich roten mit gelber Schrift vom Badischen Kanu-Verband, die jedes Paddelbild farblich aufwerten. Auch jede Menge Paddelführer waren ausgestellt. Einige, die doppelt waren, konnte man auch erwerben. Gegen 16 Uhr war die Veranstaltung zu Ende, es wurden viele Hände geschüttelt und jeder der Teilnehmer fuhr wieder ein bisschen schlauer nach Hause.

 

Peter Schlageter

 

 

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